Gerrit Frohne-Brinkmann, Study "Backdrop", 2020
Gerrit Frohne-Brinkmann, Dirty Parrots, 2018.
Courtesy Galerie Noah Klink, the artist.
Foto: Volker Renner
Gerrit Frohne-Brinkmann, Study "Backdrop", 2020
Gerrit Frohne-Brinkmann, Dirty Parrots, 2018.
Courtesy Galerie Noah Klink, the artist.
Foto: Volker Renner

Gerrit Frohne-Brinkmann entwirft die Szenerie einer fiktiven urzeitlichen
Unterwasserlandschaft für einen unterirdischen öffentlichen Ort, die den Blick auf eine – unsere Zivilisation weit überschreitende – Zeitspanne lenkt und eine nicht-menschliche Perspektive in den städtischen Raum “einschleust”: Tiere haben darin schon lange vor der Besiedelung durch die Menschen gelebt – und sie werden vermutlich auch noch dort sein, lange nachdem wir wieder verschwunden sind. Speziell für die neue KPTN-Tiefgarage unter der Astor Filmlounge entwickelt der Künstler eine Rauminstallation aus Stellelementen, die an theatrale Kulissenwände erinnern. Seine Version einer Flora und Fauna von 550-450 Millionen Jahren vor unserer Zeit ist die Utopie einer idealisierten Lebensgemeinschaft ohne den Menschen, ihre Protagonisten sind Pflanzen, Schwämme, Würmer, Kopffüßer und Schnecken.

Als Vorlage dienen ihm pseudowissenschaftliche Darstellungen des tschechischen Zeichners Zdeněk Burian, der seine Illustrationen zwar auf Grundlage historischer Erkenntnisse, aber letztlich ausschließlich auf seine Fantasie vertrauend ins Bild setzte. Frohne-Brinkmann transferiert die zurückhaltenden Zeichnungen in raumgreifende Skulpturen, indem er
einzelne Ausschnitte vergrößert und in Airbrush-Technik auf Metallelemente sprühen lässt. Die Objekte nehmen die Ästhetik von Jahrmarktständen auf und rufen bewusst Assoziationen an Theaterkulissen hervor – ohne diese Erwartung jedoch zu erfüllen. Die einzelnen Elemente der Werkserie werden auf mehreren Parkplätzen installiert und bleiben dort ein Jahr lang stehen, sodass Hotel- oder Kinogäste zufällig auf die Bilder stoßen können, aber zugleich von einem künstlerischen Fachpublikum und interessierten Hamburgern gezielt aufgesucht werden kann.

Das in der HafenCity vielfach programmatisch ins Bild gesetzte maritime Genre scheint in dieser Installation als eine vergangene – oder künftige – historische Wirklichkeit(-sillusion) auf, in der eine Welt ohne den Menschen die potentiell bessere ist. Diese bewusste Perspektivverschiebung weg vom Land, weg vom bebauten Ort, aber auch weg vom Menschen fokussiert einen vernachlässigten Aspekt: nicht-funktionaler, narrativ und imaginär aufgeladener Raum.

Gerrit Frohne-Brinkmann (* 1990 in Friesoythe) studierte Bildende Kunst an der Hochschule für bildende Künste, Hamburg. In seinen Installationen, Objekten, Performances und Filmen sucht er die Schnittmenge zwischen frühzeitlichen Kulturformen und aktuellen populären Aufführungsformaten im Vergnügungsbereich. Aus einer fiktionalisierten historischen Distanz beschreibt er die Gegenwart und unser Verhältnis zu ihr und lässt unvermittelt scheinbar selbstverständlichste Gewissheiten brüchig werden.

Zuletzt waren seine Werke im Dortmunder Kunstverein, im Kölnischen Kunstverein, in der Kunsthalle Bremerhaven (alle 2018) sowie in der Kestner Gesellschaft Hannover (2017) zu sehen. 2016 gewann er den Art Cologne Award for New Positions; 2017 erhielt er das Follow Fluxus Stipendium des Nassauischen Kunstvereins Wiesbaden.

Der Künstler und die Kuratorin danken der Hamburgischen Kulturstiftung für ihre Unterstützung.

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Datum 18. April 2020 - 11. April 2021
Standort Tiefgarage Am Sandtorkai
Singapurstraße 2 (Einfahrt),
20457 Hamburg
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