how to live in the echo of other places Annika Kahrs
Die Sound- und Videoinstallation how to live in the echo of other places ist eine Neuproduktion von Annika Kahrs für das letzte unsanierte Speichergebäude im früheren Freihafen – der heutigen HafenCity. Das bislang umfangreichste Ausstellungsprojekt der Hamburger Künstlerin widmet sich den Eigenheiten akustischer und visueller Erinnerungen und erkundet deren Beziehung zu konkreten Orten. Den Sommer über aktiviert das zweiteilige Werk das Innere und die Fassade des Schuppen 29 auf dem Baakenhöft im Wechsel, um flüchtige – und persönliche – Erfahrungen anderer Menschen für Besucher:innen erfahrbar zu machen.

Die beiden sich ergänzenden Teile nehmen die besondere Atmosphäre des Standorts auf: Tagsüber können Hörer:innen im Schuppen einen Soundparcours individuell erlaufen. Bei Sonnenuntergang startet dann auf der Stirnseite eine 14 Meter breite Videoprojektion, die den Standort in den Nachtstunden weithin sichtbar macht und mit Sonnenaufgang endet. Für dreizehn Wochen verweben sich hier persönliche Geschichten aus verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Orten und treten mit dem ehemaligen Kakaospeicher in Dialog.

Für die Rauminstallation haben zehn Hamburger Musiker:innen im Austausch mit Kahrs eigene Kompositionen realisiert. Hierfür sprachen alle Musiker:innen jeweils mit einem Menschen, dem sie sich verbunden fühlen, über persönliche Erinnerungsorte. Auf dieser Grundlage sind kurze Stücke entstanden, die Kahrs gemeinsam mit dem Komponisten Louis d’Heudières in ein räumliches Arrangement übersetzt hat. Über zehn im Raum verteilte Lautsprecherboxen treten im Verlauf des rund 80-minütigen ‚Konzerts im Raum‘ unter anderem der Hamburger Stadtraum zwischen Hafen und Michel, Migrationserfahrungen und Erdbeben als Soundphänome miteinander in Beziehung. Dabei sind die Themen so vielfältig wie die musikalischen Stile und die kompositorischen Strategien.

In Kooperation mit Ferdinand Försch, Douniah, Louis d’Heudières, TINTIN PATRONE, Tam Thi Pham, Jesseline Preach, Carlos Andrés Rico, Freja Sandkamm, Nika Son und Derya Yıldırım.

Die Videoinstallation basiert auf kurzen Texten über die Erinnerung an einen Ort während eines Sonnenuntergangs, die Musiker:innen, Freund:innen und Kolleg:innen Kahrs für diese Arbeit geschickt haben. Dabei geht die Künstlerin der Frage nach, ob und wie intensive visuelle Eindrücke im Gedächtnis an konkrete Orte gebunden sein können. Sonnenuntergänge sind prinzipiell immer gleich, und doch werden sie in westlichen Kulturen seit der Romantik als besondere Momente wahrgenommen, die aus vergessenen Alltagserfahrungen herausragen. Denn sie symbolisieren die endlich-unendliche Doppelnatur von Zeit: Mit jedem Sonnenuntergang ist ein weiterer Tag im Leben eines Menschen verstrichen, und gleichzeitig geht die Sonne verlässlich an jedem Ort der Welt jeden Tag für (fast) alle Ewigkeit aufs Neue unter. Das anonymisierte Material wird auf einen digital erstellten, ‚ortlosen‘ Sonnenuntergang Wort für Wort projiziert. Im Verlauf des rund zweieinhalbstündigen Loops setzen sich so die teils besonderen, teils alltäglichen Szenen nach und nach im Kopf der Betrachtenden zusammen.

Annika Kahrs (geb. 1984) lebt und arbeitet in Hamburg und Berlin. Sie beschäftigt sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Vorstellung von Musik in verschiedenen Kulturräumen. In Sound-, Video- und Multimediainstallation untersucht sie, wie sich Akustik und Sehen zueinander verhalten und wie die beiden Sinne voneinander abhängen. Dabei folgt sie der Frage, wodurch Geräusch und Musik sich unterscheiden, wann zufällige Laute als strukturiertes klangliches Gefüge wahrgenommen werden und wie sich das Hören, also die Wahrnehmung der Umgebung, dadurch verändert. Ihre Arbeiten erproben die Bedingungen, unter denen ein Geräusch mit Sinn aufgeladen wird.

Das Projekt wird im Rahmen der 8. Triennale der Photographie Hamburg 2022 veranstaltet. Produziert von IMAGINE THE CITY.

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Datum 01. JUNI 2022 - 04. SEPTEMBER 2022
Annika Kahrs