Zero Shift Kapwani Kiwanga 
Visualisierung ZERO SHIFT, 2020, Sibel Bicer
Visualisierung ZERO SHIFT, 2020, Sibel Bicer

Das Unsichtbare sichtbar machen ­– das neue Projekt von Kapwani Kiwanga zielt darauf ab, exemplarisch Elemente zu markieren, die den öffentlichen Raum strukturieren, aber häufig gerade von jenen Menschen unbemerkt bleibt, die sie benutzen. Mit den Mitteln von Farbe, Licht oder anderen, temporären Eingriffen in die städtische Infrastruktur entwickelt die kanadische Künstlerin eine ortsspezifische Installation, die sich mit den Kaimauern zwischen historischem Zentrum, Speicherstadt und Hafencity beschäftigt.

Kaimauern übernehmen eine wichtige Funktion in der Hafencity, denn als wenige noch verbliebene „originale“ Elemente zeugen sie von der frühen Hafengeschichte im Stadtteil. Gleichzeitig prägen sie dessen Infrastruktur insofern maßgeblich, dass sie den Übergang zwischen Land und Wasser, beziehungsweise die Abhängigkeit der gesamten baulichen Infrastruktur von den Gezeiten der Elbe symbolisieren: Zwischen Ebbe und Flut liegen im Schnitt bis zu vier Meter Höhenunterschied – bei den immer häufigeren Sturmfluten auch deutlich mehr. Deshalb gibt es vom Kai aus auch keinen direkten Zugang zum Wasser, und deshalb wurde die Hafencity auf zwei unterschiedlichen Höhenniveaus gebaut: Promenaden und Plätze direkt am Wasser, und bis zu fünf Metern höher Hauseingänge und Straßen.

Kapwani Kiwanga wurde 1976 in Hamilton, Kanada, geboren. Aktuell lebt und arbeitet sie in Paris. Als ausgebildete Anthropologin und Sozialwissenschaftlerin nimmt sie in ihren Installationen, Performances, Sound- und Videoarbeiten vielfach die Rolle einer Forscherin ein, wobei sie Wahrheit und Fiktion bewusst ineinander verschränkt, um dominierende historische oder politische Narrative herauszufordern und alternative Diskussionsansätze vorzuschlagen. ZERO SHIFT ist Kiwangas erstes großes Projekt im öffentlichen Raum und wird durch das Canada Council for the Arts gefördert.

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Datum Frühling 2021
Kapwani Kiwanga 
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